Monatsarchiv: Juni 2012

Social Media Reihe Teil 4: Facebook im Milliardenrausch

von Eike Hinner

Viele hatten am Hype teil: Medien, Facebook selbst und natürlich J. P. Morgan. Der Plan dahinter war leicht zu erkennen: Eine neue Volksaktie schaffen. Und wie es anderen Volksaktien zuvor erging, so ging es dann auch der Facebook Aktie – grandios hochgetriebener Emissionspreis und ein steiler Absturz nach unten.

Börsengang: Der Zuckerberg wird ein Häufchen Karamell.

Knapp 30% liegt die Aktie heute unter dem Emissionskurs. Für die Aktionäre ein Desaster. Facebook aber hat ordentlich Kasse gemacht und will die Milliarden jetzt investieren. Fast um jeden Preis und sofort. Eine ganze Serie von Gerüchten und Kaufmeldungen beginnt.

Der Hecht im Guppyteich.

Schon vor dem Börsengang schnappte Facebook zu: Im April wurden das Geschenke-App-Unternehmen Karma und die Coupon-Internetfirma Tagtile geschluckt, im Mai dann der Hammer: Instagram für eine Milliarde Dollar, teilweise bereits mit Aktien bezahlt.

Nach dem Börsengang geht es weiter: Mit dem angekündigten Facebook-Handy und dem möglichen Erwerb von Opera und Face.com frisst sich der neue Cash-Riese durch die Online- und Smartphone-Landschaft. Wir fragen uns: Kann das gutgehen?

Neue Ertragsmodelle.

Nur, wenn Facebook profitabler wird, lässt sich der Expansionskurs aufrecht erhalten. Dabei wird nicht lange gefackelt. Das Nutzerwachstum lässt langsam nach, also müssen neue Geschäftsmodelle her: Um Fanseitenposts wirklich öffentlich zu machen, gibt es für Unternehmen künftig einen Zusatz-Obulus zu entrichten.

Um die versprochene Werbung besser an die potenziellen Kunden zu bringen, müssen die Nutzer mehr von sich preisgeben. Facebook änderte in Verbindung mit einer Abstimmung unter Usern, die eher unterging, mal schnell die Nutzerbedingungen und räumte sich dabei weitere Rechte auf Daten ein.

Die Nutzer stimmten dagegen: Zu wenige, sagt das Unternehmen, das das Ergebnis als „konsultativ“ ansieht. Es hätten 270 Millionen abstimmen müssen bei der Umfrage, die Facebook unauffällig launchte. Wir fragen uns weiter, wie das langfristig gut gehen kann? Und: Was kommt als nächstes?

Mit Vollgas gegen die Wand?

Hält Facebook das aus? Scheinbar wilde Zukäufe und die Nutzer weiter verärgern? Es sieht ganz danach aus: Über 900 Millionen User werden nicht einfach verschwinden. Und bisher hat es auch gut funktioniert. Auch, weil es lange Zeit keine Alternative gab.

Es wird sich zeigen, ob das auf Dauer so weitergehen kann – denn die Konkurrenz, allen voran Google+, schläft nicht. In den kommenden Jahren kommt man trotzdem am Giganten Facebook für Werbung und Vernetzung nicht vorbei. Let’s face it!

Werbeanzeigen

Von Glanz und Glorie: Werbepioniere der Geschichte

Teil 1: Harun al Raschid

von Eike Hinner, mit einem Kommentar von Ludwig Silbermann

Harun al Raschid

Gestalt aus 1001 Nacht: Harun al Raschid

Sein Image: Sagenhafte Schätze, gut und großzügig zu seinem Volk, blendendes Aussehen, ein beispielhafter Herrscher, friedliebend, romantisch und tapfer – ein Star! Die Legenden um Harun al Raschid betonen seine Pracht und ergeben das positive Bild einer königlichen Lichtgestalt des 8. Jahrhunderts.

Der Märchenherrscher lässt sein Reich strahlen

Tatsächlich fördert der Kalif die Künste großzügig. Er profitiert vom Reichtum, den sein Vater Al-Mansur angehäuft hat und nutzt diesen für die Sänger und Poeten seiner Zeit. Seine Frau Zubayda unterstützt die Gelehrten freigiebig. Seine Herrschaft ist erfüllt von Pracht und Spektakel, sowohl im Palast selbst, als auch außerhalb: Eine Regierung aus 1001 Nacht.

Der Handel blüht. Die Kaufleute seines Reiches reisen bis nach Skandinavien, wo sie für die herrschende Klasse Walfischzähne und kostbare Pelze erwerben, bis nach China, wo sie die wertvolle Seide weit über 6000 Kilometer durch Wüsten und Gebirge bis zum Hof holen. Nur Glanz und Strahlen sieht man im Reich des großen Kalifen. An der Oberfläche.

Goldene Moschee, Sinnbild für 1001 Nacht, Harun al Raschid und seine Schriftbesessenheit

Nicht nur Glanz und Herrlichkeit

Denn seine Herrschaft beginnt bereits mit einer Mordintrige an seinem eigenen Bruder Al-Hadi. Und al Raschid, „der Rechtgeleitete“, herrscht kaum selbst: Er überträgt seinem Wesir Yahya sofort die volle Regierungsverantwortung. Wenn er aber doch einmal seine Macht ausübt, ist es oft eine Katastrophe.

Er lässt unruhige Provinzen skrupellos verwüsten, Kritiker ohne Zögern hinrichten. Seine Grausamkeit gipfelt darin, dass er aus Wut seinen besten Freund und Sohn seines Wesirs, Gafar, köpfen lässt.

Doch was ist der Grund für sein dennoch hohes Ansehen?

Harun al Raschids Kommunikations- und PR-Strategie

Poesie ist seine Leidenschaft und sein liebstes Kommunikationsmittel: Harun al Raschid unterstützt Dichter und Sänger. Er setzt dabei auf klare Signale: Den berühmten Dichter Merwan lässt er für eine Ode mit Gold überhäufen. Der Sänger Ibrahim erhält stante pede 100.000 Silber-Dirham, weil er die Laune des Kalifen an einem schlechten Tag durch ein Trinklied bessern kann. Das begründet die Legenden über seine Freigiebigkeit.

Am Hof des Kalifen kann der Berufsstand der Versemacher durch im Staatsauftrag bestellte Public-Relations-Arbeit gut leben. Auch Haruns kluge Hauptfrau Zubayda trägt dafür Verantwortung: Sie lässt für 800.000 Dirham ein PR-Gedicht schreiben, damit das aufstrebende Bagdad Regierungssitz wird – schon das reine Silber der Münzen hätte heute einen Wert von fast 2 Millionen Euro.

Al Raschid fördert zudem moderne Technik: Um die Schriftform noch besser nutzen zu können, gründet er 793 eine Papierfabrik – für die damalige Zeit eine technologisch revolutionärer Schritt, der den hohen Bedarf des Reiches an Papier und Texten decken soll.

Schrift und Wort, bevorzugter Kommunikationskanal von Harun al Raschid

Vom Goldkönig lernen

Was bleibt für uns vom strahlenden Herrscher des Orients? Werbeorientierung. Damit der ehemalige Heerführer trotz seiner oft brutalen Entscheidungen an der Macht bleiben kann, setzt er voll auf Werbung. In einer durch islamische Bilderverbote gekennzeichneten Welt damit vorwiegend auf Text: Poesie und erst bei Al Raschid hoffähigen Gesang.

Ludwig Silbermann:

Was können wir erkennen und vielleicht lernen? Ganz sicher müssen wir uns distanzieren von Harun al Raschids Umgang mit Menschenrecht, Menschenachtung und Menschenwürde sowie seiner rücksichtslosen Gewaltanwendung!

Respektieren können wir sein Kommunikationstalent: Seine auch aus heutiger Sicht noch professionell gestaltete Struktur für Förderung von Kreation, von Kommunikationsbotschaften und für den Einsatz dieser, auch für Produktion.

Schwerpunkte seiner ‚Media-Strategie’: Mouth to Mouth, Events und Print.

Die Märchenprinzen-Werbestrategie:

1. Großzügig sein und es zeigen

2. Die Profis gut behandeln

3. Pünktliche und gute Bezahlung

4. Den besten Kommunikationskanal wählen (hier: Sprache)

5. Dessen Möglichkeiten voll ausschöpfen

6. Neue Technologien nutzen

Anregungen? Aufregungen?

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